1936 geboren in Thalheim/Erzgebirge
1950 erste Studien im Zeichnen (VHS)
1967-1970 Fernstudium Academie A.B.C., Paris
Mitglied der Werkstatt Radenhausen

2009 Verstorben

Auf dem Flur 30
35282 Rauschenberg
Tel.: 06425/818368

Manfred Drechsel
1972 - 2000 Universitätsmuseum Marburg A.B.
1974 Galerie Pfeiffer, Biedenkopf A.B.
1980 - 1982 Kunstmarkt Marburg A.B.
1980 Haus Seel, Siegen A.B.
1981 Galerie Oehlers, Herbon E.A
Galerie Oehlers, Burbach A.B.
Salon Franco Allemand, Portiers A.B.
1988 Heimatmuseum, Springe A.B.
1990 Galerie Goldbach, Stadtallendorf E.A.
1991 Historisches Rathaus, Neustadt E.A.
1996 Lokschuppen, Frankenberg E.A.
1997 Arbeitsgericht, Marburg E.A.
1999 Kunstverein Marburg A.B.
Atelierfest/Ausstellung, Radenhausen A.B.
2000 Atelierfest/Ausstellung, Radenhausen A.B.
Käthe-Kollwitz-Schule, Marburg A.B.
2001 Buchmesse Frankfurt A.B.
Museum Korbach A.B.
2002 Kunst Profile Marburg A.B.
Ausstellungen (Auswahl)
Ankäufe: Hessisches Kultusministerium, Hessisches Ministerium für Kunst und Wissenschaft
Das feuchte Papier wird von der Walze der Druckpresse tief in die Furchen, die Mulden und gekratzten Gräben der Metallplatte hineingepresst. Die Fasern saugen die Farbe an sich, die sich unter der blankgeputzen Oberfläche der Platte verbirgt, scharf zeichnet sich jede Spur ab, die der Künstler zuvor der Platte belassen oder zugefügt hat. Was Manfred Drechsel seinen Radierplatten antut, geht weit über den klassischen Tiefdruck hinaus: zu kalligrafischen Formen geschnittene Platten, das Gewährenlassen der Säure, das Manipulieren und Verstärken des Vorgefundenen, das Vordringen in die Wachstumsgesetze von Form und Gestalt, das Setzen und Geschehenlassen. Die Kunst Manfred Drechsels entsteht aus dem Material, aus dem Prozess selbst.

Analog fernöstlicher Denkweisen ist der Weg dabei auch das Ziel: Manfred Drechsel experimentiert – seine Werkreihen sind auch Versuchsreihen: Radierung, Aquatinta werden zu Marmorierbädern, zu „Krümeltinta“, zu namenlosen Verfahren mit unvorhersehbarem Ausgang.

Inspiriert von Gedanken des Zen-Buddhismus widmet er sich dem Urprozess des Schöpfens, beginnt mit dem Schöpfen eigenen Papiers, erschafft zunächst den Stoff, auf dem sich Gefundenes und Wiedererfundenes abzeichnen. Eine innere Schau von gedachten, möglichen Realitäten bis hin zur scheinbaren Verflüchtigung der Materie in seinen Prägedrucken. Verschlüsselte Botschaften bis an die Grenze der Wahrnehmbarkeit, die ihre Spannung beziehen aus dem Verhältnis von in der Presse ausgeübtem maximalem Druck und dem minimalen Reiz, der den Betrachter erreicht. Ähnlich verhält sich das Aufeinandertreffen von mutwillig aus der Druckplatte geschnittener freier Form und den zufällig vorgefundenen Gegebenheiten der Oberflächen von Papier und Platte oder dem spielerischen, zugelassenen Fluß der Tusche.

Was alle Bilder Manfred Drechsels ausstrahlen, die Aura der Kontemplation, der Blick auf Unscheinbares, der in der präzisen Schau das Wunderbare, Unerwartete entfaltet, wandelt sich in ein östliches Gefühl – wie ein japanisches Haiku konzentrieren seine Drucke das Bewusstsein auf die Präsenz dessen, was „sich ergibt“: voller Ergebenheit und Hingabe an den Moment, an die augenblickliche Kulmination einer längeren Geschichte. Übrig bleibt der Abdruck, die früheste Kunst des Menschen, hier die Begegnung von Papier und Objekt im Druck der Maschine, unter Walze und Rad. So wie der Künstler die Strukturen der gewachsenen Natur in sich aufgenommen hat, so lassen sich in der umgekehrten Schau das Holz, der Stein, die Haut, der Rost, das Licht wieder entschlüsseln. Die Bilder wünschen sich den Betrachter, der das zu sehen vermag, was nur ihm bestimmt ist, ein intimes Erlebnis, wie die Träumereien über Dendriten im Stein oder beim Blick in den Sternenhimmel.

Delia Henss